Europa steht auf dem Prüfstand – politisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich. Inwieweit beeinflusst das die Bereitschaft, das Erbe Europas anzunehmen? Wie sich soziokulturelle Zentren und Akteure der Verantwortung für Europa stellen, wie sie Vielfalt leben und gestalten, zeigt die neue Ausgabe der SOZIOkultur.

Im Interview erläutert Ulrike Guérot, Gründerin des European Democracy Lab, ihre Sicht auf die Europäische Union und ihre Utopie einer europäischen Republik. „Große, auch komplexe Themen  so zu bearbeiten, dass sie emotional zugänglich sind, braucht einfach die verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten von Kunst“, umreißt sie die Bedeutung von Kunst und Kultur in dem Zusammenhang. Andreas Kämpf, Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren und Vizepräsident des Deutschen Kulturrats, fordert: Nicht zurück zur Nation, sondern vorwärts zu einer europäischen Zivilgesellschaft. Diese könnte ein machtvolles Korrektiv gegenüber dem Europäischen Rat und der Europäischen Kommission sein und Forderungen an die EU entwickeln.

Auch im Fokus von Tagungen und Kongressen stand die Frage nach der Zukunft Europas: Um gemeinsame Handlungsstrategien ging es beim Bundeskongress Neuer Deutscher Organisationen, von dem Breschkai Ferhad berichtet. Die Veranstaltungsreihe „EUROPE CALLING – Was hält Europa zusammen?“ der Friedrich-Ebert-Stiftung fand mit einer Tagung in Berlin ihren Abschluss, bei der sich Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, für eine Reform der Eurozone in Richtung Demokratie und Mitbestimmung aussprach. Mit der Tagung „Mehr als willkommen! – Kulturarbeit mit, für und von Geflüchtete(n)“ leistete auch die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren einen Beitrag zum aktuellen Diskurs.

Ganz konkret erlebbar wird Europa in der Kulturarbeit vor Ort. Beate Kegler stellt das Projekt „Vital village – made by culture“ vor: Dorfbelebung auf europäisch. Dass Europa für sie kulturelle Heimat bedeutet, bekennen Peter Ørting und Elena Larisa Stanciu vom Vollsmose Kulturhus in Odense in Dänemark. Von der „Fellowship Celebration“ des Projekts „START“ in Thessaloniki berichtet Siegfried Dittler. Die Zinneke-Parade, ein über-wältigendes Fest des Zusammenlebens der Kulturen in Brüssel, schildert Eleonore Hefner. Emilia Hagelganz beschreibt die Kulturarbeit mit Geflüchteten beim Transnationalen Ensemble Labsa in Dortmund.

Und last but not least: Um für die soziokulturelle Arbeit die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, hat das Land Hessen ein zukunftsweisendes Pilotprojekt gestartet: Mit dem „Modellprojekt Soziokultur“ lässt es mehr Freiheit und Selbstverantwortung bei der Förderung der Soziokultur zu und bekennt sich gleichzeitig klar zu seiner Verantwortung für die Arbeits- und Zukunftsfähigkeit soziokultureller Einrichtungen. Rückenwind, auch für Europa.

Online lesen: www.soziokultur.de/bsz/sites/default/files/file/flipviewer/Sk2-16/flipviewerxpress.html