Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) will das Potenzial und die Kompetenz ihres bundesweiten Netzwerks verstärkt nutzen, um die Anerkennung von Diversität und die Umsetzung von Inklusion voranzubringen. Das verabredeten ihre Mitglieder am 7. und 8. Oktober 2016 in Berlin.

Bei der Mitgliederversammlung in Berlin-Spandau sagte der BKJ-Vorsitzende Prof. Dr. Gerd Taube: „Menschen handeln und gestalten gemeinsam, ungeachtet ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft und ihrer körperlichen oder geistigen Fähigkeiten – dieses Potenzial der Kulturellen Bildungspraxis wollen wir noch stärker entfalten. Mit ihrem bundesweiten Flächennetzwerk bis auf die Ebene der Jugendkultureinrichtungen und Vereine vor Ort trägt die BKJ eine besondere Verantwortung, Inklusion voranzutreiben und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. In Zeiten, in denen Abschottung und Demokratiefeindlichkeit in Deutschland und Europa salonfähig zu werden scheinen, treten wir klar für eine offene und demokratische Gesellschaft der Vielfalt ein.“

Inklusion ernsthaft zu vertreten, bedeutet für die BKJ und ihre 56 Mitgliedsorganisation, sich selbst zu prüfen, Barrieren zu erkennen und sich zu verändern, um strukturelle Diskriminierungen abbauen zu können. Dazu gehört, sich eigene Privilegien und Machtpositionen bewusst zu machen und bereit zu sein, diese zu teilen. „Es reicht nicht, sich für marginalisierte Individuen und Gruppen einzusetzen, sondern wir müssen sie vollumfänglich einbeziehen. Erst wenn alle Menschen Anerkennung erfahren und ihre Rechte im Alltag sowie in den institutionellen und organisierten Zusammenhängen selbstverständlich erfahren können, ist die gemeinsame Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft möglich.“, so Taube weiter.

Der Dachverband der Kulturellen Bildung will selbstkritisch hinterfragen, warum zwischen dem Potenzial der Kulturellen Bildung, Diversität anzuerkennen und Inklusion zu fördern, und der flächendeckenden Umsetzung nach wie vor eine große Lücke klafft. Strukturelle, konzeptionelle und professionelle Voraussetzungen zu schaffen für die Berücksichtigung von Vielfalt und Verschiedenheit, betrachtet die BKJ zugleich als wichtigen Beitrag zur Verwirklichung von gerechten Bildungs- und Teilhabechancen junger Menschen.

Mit dieser auf der Mitgliederversammlung beschlossenen Agenda setzt die BKJ den in den letzten Jahren eingeschlagenen Weg der inklusiven Weiterentwicklung der kulturellen Kinder- und Jugendbildung konsequent fort. So hat sie die aus dem „Innovationsfonds Kulturelle Bildung (2014–2016) – Inklusion“ des Bundesjugendministeriums geförderten Projekte vernetzt und begleitet. Gemeinsam mit dem Trägerverbund Freiwilligendienste Kultur und Bildung hat sie außerdem den Abbau von Zugangsbarrieren zu den kulturellen Freiwilligendiensten – beispielsweise durch Einführung eines anonymisierten Bewerbungsverfahrens –vorangetrieben. Im Rahmen der Tagung „Illusion Partizipation – Zukunft Partizipation“ erörterte die BKJ gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung, wie partizipative Ansätze der Kulturellen Bildungspraxis dazu beitragen können, dass Menschen mit den unterschiedlichsten Perspektiven sichtbar und hörbar werden und sich in unserer Gesellschaft anerkannt und zugehörig fühlen. Schon jetzt steht fest, dass Inklusion und Diversität keine vorübergehenden Themen auf der BKJ-Agenda sind, sondern dauerhafte Herausforderungen, mit denen sich der Verband auch über das Jahr 2017 hinaus beschäftigen wird.