STADTKULTUR HAMBURG begrüßt den Beschluss der Bürgerschaft über 700.000 Euro für Integration durch kulturelle Teilhabe. Mit den Stimmen sämtlicher Abgeordneten hat die Bürgerschaft einem Antrag der Fraktionen von Grünen und SPD zugestimmt, mit dem die Institutionen der Stadtteilkultur und der Kinder- und Jugendkultur aus dem neu geschaffenen Integrationsfonds der Bürgerschaft gestärkt und Projekte gefördert werden sollen, die speziell im Bereich der Integration Geflüchteter wirken.

STADTKULTUR HAMBURG, der Dachverband der Lokalen Kultur und Kulturellen Bildung, freut sich über diese wegweisende Entscheidung für das Zusammenleben in unserer internationalen Stadtgesellschaft und die allseitige große Anerkennung der stadtteilkulturellen Arbeit, die sich in diesem Votum ausdrückt. Zuvor hatte bereits eine Initiative von Hamburger Stiftungen, Unternehmen und Privatpersonen mit dem Fonds „Freiräume“ die Stadtteilkultur in ihrer Arbeit für den Zusammenhalt unterstützt. Besonders vor dem Hintergrund aktueller Polarisierungen in unserer Gesellschaft ist nicht nur die soziale Grundversorgung essentielle Aufgabe der aufnehmenden Stadtgesellschaft, sondern das Schaffen von Teilhabemöglichkeiten und die Entwicklung einer gemeinsamen wertebasierten Kultur. Die Bildung neuer Gemeinschaften, in denen alle in Hamburg lebenden Menschen gleichermaßen am gesellschaftlichen Leben teilhaben, ist eine große Aufgabe, zu der Stadtteilkultur und Kinder- und Jugendkultur einen zentralen Beitrag leisten können.

Mit den Mitteln aus dem neu zu schaffenden Fonds wird es jetzt sehr viel besser möglich sein, gesellschaftliche Veränderungsprozesse vor Ort im Stadtteil und in zivilgesellschaftlichen Netzwerken mit kulturellen Mitteln zu initiieren und zu gestalten und die aktive Integration geflüchteter Kinder- und Jugendlicher wie Erwachsener in unser Gemeinwesen zu verstärken. Vor Ort in den Stadtteilen haben Kulturzentren und Einrichtungen der Kinder- und Jugendkultur seit Jahrzehnten durch partizipative Kulturveranstaltungen und -projekte für eine Verbesserung der Lebensqualität und des Miteinanders unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen gesorgt. Ihr Know-how, ihre Netzwerke und positive Verankerung in unterschiedlichsten Kulturkreisen können nun dazu beitragen, den aktuellen Herausforderungen gestaltend zu begegnen und eine neue Stadtgesellschaft zu bilden. Dafür müssen Brücken der Verständigung geschlagen und Begegnungsräume geschaffen bzw. gestärkt werden, um Annäherung zu ermöglichen, Zugänge zu eröffnen und Zuwanderern kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.

Von großer Bedeutung ist es, dass dabei die rechtmäßigen Bedürfnisse aller Gruppen berücksichtigt werden und die Angebote möglichst allen Gruppen offenstehen. Nur wenn wir Begegnungen zwischen den Menschen aller Gruppen ermöglichen und fördern und allen Menschen Zugänge
eröffnen, erhalten diese die Chance, ihre Potenziale zu entfalten und gemeinsam eine Gesellschaft der Vielfalt zu gestalten. Die Leistungen der Stadtteilkultureinrichtungen finden bereits Anerkennung im vom Senat vorgelegten Haushaltsplanentwurf, der eine Erhöhung der Rahmenzuweisung von 400.000 Euro in 2017 und um weitere 400.000 Euro in 2018 sowie eine Indexierung der Rahmenzuweisung in Höhe von 1,5 Prozent des jeweiligen Vorjahres ab 2019 vorsieht.

Dennoch bleibt die Lage der Stadtteilkultur weiter ausgesprochen prekär. Der Deutsche Kulturrat hatte deshalb die Hamburger Stadtteilkultur unlängst auf die Liste der bedrohten Kultureinrichtungen gesetzt. STADTKULTUR HAMBURG hatte eine Erhöhung der Rahmenzuweisung um 3,9 Millionen Euro gefordert, um die Basis der Stadtteilkultur stabil und arbeitsfähig zu erhalten. Die Mittel aus dem Integrationsfonds können als Förderung dauerhaft tragfähiger, nachhaltiger Strukturen nur funktionieren, wenn sie eine langfristige Perspektive eröffnen. Auch nach 2018 wird die Entwicklung von Teilhabemöglichkeiten und der Potentiale aller in unserer internationalen Stadtgesellschaft Lebenden von hoher Bedeutung bleiben.

Die Stärkung der Stadtteilkultur muss aus diesem Grund als eine wichtige Investition in die Zukunftsfähigkeit einer weltoffenen, internationalen Stadt und deren Lebensqualität künftig so realisiert werden, dass die Potentiale der Stadtteilkultur bewahrt und erweitert werden können – für alle in Hamburg lebenden Menschen und ihre Besucher.