Ein Fachgespräch im Bundestag zur Kulturellen Bildung hat in der vergangenen Woche deutlich gemacht, dass eine starke und demokratische Zivilgesellschaft die Voraussetzung ist sowohl für das Gelingen des Programms „Kultur macht stark“ als auch für Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt.

Der Bildungs- und der Kulturausschuss des Deutschen Bundestags hatten gemeinsam zu einem Fachgespräch eingeladen, das im Zusammenhang mit der geplanten Fortsetzung des Programms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ stand, aber auch Perspektiven Kultureller Bildung im Allgemeinen thematisierte. Der BKJ-Vorsitzende Prof. Dr. Gerd Taube nahm als Sachverständiger daran teil.

„Kultur macht stark“ fungiert als größtes Bundesprogramm für Kulturelle Bildung wie ein Brennglas. Es lenkt den Fokus auf die vielfältigen Potenziale Kultureller Bildung und verbreitert kulturelle Bildungspraxis. Ebenso offenbart es Entwicklungsnotwendigkeiten und Lücken, seien sie konzeptioneller oder struktureller Art.

Neben den Potenzialen Kultureller Bildung zur Stärkung der Persönlichkeit betonten die Abgeordneten beider Ausschüsse sowie die Sachverständigen ihre gesellschaftspolitische Bedeutung. Letztere sehen sie insbesondere durch das zivilgesellschaftliche Fundament Kultureller Bildung, zum Beispiel im Programm „Kultur macht stark“, gewährleistet. Die Rolle der Programmpartner mit ihren Strukturen bis auf die Ebene vor Ort sei ein Schlüsselfaktor für den Erfolg des Programms.

Kirsten Witt, stellvertretende Geschäftsführerin der BKJ, sagt: „Die Bedeutung demokratischer zivilgesellschaftlicher Kräfte – nicht nur für den Erfolg von „Kultur macht stark“ – kann gar nicht überschätzt werden. Die Übernahme von Verantwortung für sozialen Zusammenhalt durch die Bürgergesellschaft gewinnt in einer Zeit an Bedeutung, in der sich Gräben zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen in Deutschland und Europa vertiefen. Der Eindruck eines gesellschaftlichen Auseinanderdriftens entsteht nicht nur im Zusammenhang mit Migration und Flucht, sondern weiterhin auch in Hinsicht auf Bildungschancen und die Möglichkeiten, das Zusammenleben mitzugestalten. Letztlich geht es darum, wie ernst wir es mit dem Recht aller hier lebenden Menschen auf Teilhabe meinen.“

Wie wichtig die Selbstbestimmung der Fachorganisationen Kultureller Bildung in der Gesellschaft und damit einhergehend die Verhältnisbestimmung zum Staat ist, zeigen die gesellschaftlichen Entwicklungen und Umbrüche der letzten Jahre: Anforderungen sind vielfältiger geworden, Ressourcen aber nicht gleichermaßen gewachsen. Neue zivilgesellschaftliche Akteure, deren Finanzkraft ungleich größer ist als ihre demokratische Legitimation, nehmen Einfluss auf Diskurse. Konsensorientierung und Legitimierung der Interessenvertretung als Grundvoraussetzungen zivilgesellschaftlichen Handelns scheinen an Bedeutung zu verlieren. Ebenso haben politische Entscheidungen und Verwaltungshandeln einen großen Einfluss darauf, in welchen Rahmenbedingungen zivilgesellschaftliche Strukturen und bürgerschaftlich Engagierte agieren.

Die Bewertung dieser Entwicklungen und die Diskussion angemessener Strategien im Umgang damit sind Gegenstand eines ersten Symposiums mit dem Titel „Was bedeutet Governance für die Kulturelle Bildung?“, das BKJ, Deutscher Kulturrat und Kulturpolitische Gesellschaft am 21. Juni 2016 gemeinsam veranstalten werden.