Soziokultur als Seismograph für gesellschaftliche Veränderungen: Diese Erkenntnis prägte die Vergabesitzung des Kuratoriums des Fonds Soziokultur für das erste Halbjahr 2017 Mitte Januar in Bonn. Es galt, aus insgesamt 321 vorliegenden Anträgen, die das Bedürfnis nach neuer Orientierung in einer globalisierten Welt offenbarten, die besten auszuwählen. Positiv beschieden wurden schließlich 45 Projektvorhaben zu den unterschiedlichsten soziokulturellen Themenfeldern.

Auf die Suche nach Heimat begibt sich z.B. der Verein Black Dog – Jugend- und Medienbildung aus Waldkirch, der mit Jugendlichen unterschiedlichster Herkunft, Kultur und Religion einen Film plant, der diesem „Kampfbegriff der Rechten“ eine demokratische Alternative gegenüberstellt. Das Theater der Nacht aus Northeim widmet sich den Strukturproblemen der niedersächsischen Kreisstadt und legt mit künstlerischen Aktionen brachliegende urbane Potenziale frei, die „Die versunkene Stadt“ aus ihrer Lethargie befreien können. Das Projekt „From A to Be“ der Schwankhalle Bremen schließlich erstellt eine akustische Landkarte der Region aus den Gesprächen mit Fahrgästen in einem als Tonstudio ausgestatteten Auto.

Wie ein roter Faden zieht sich zudem das Thema kulturelle Vielfalt durch die Projektvorhaben. Beim „Migrating Museum“ von zeitraumexit e.V. geht es darum, 160 Objekte aus der Mannheimer Liste der Weltkulturen, die die ethnische Diversität der Stadt widerspiegeln, nicht nur auszustellen, sondern auch sinnlich erfahrbar zu machen. Die Bürgerinitiative Raschplatz aus Hannover widmet sich mit „Carte blanche“ grundlegenden Problemen des Alters und entwickelt neue kulturelle Bilder für einen selbstbestimmten Lebensabend. Und das theatermorgenstern aus Berlin inszeniert im Stadtteil Friedenau mit „KopfSPRUNG“ eine künstlerische Gegenwelt, „einen innovativen neuen Kiez, in dem Platz ist für alle“.

Der Fonds Soziokultur ist ein gemeinnütziger Verein, dem sieben Bundesverbände aus der soziokulturellen Arbeit angehören. Seit 1988 fördert er Projekte, in denen Menschen zur aktiven Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben ermutigt werden. Die Projekte sollen Modellcharakter haben und für andere soziokulturelle Initiativen und Einrichtungen qualitative Maßstäbe setzen. Die Haushaltsmittel werden von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien bereitgestellt.

Im März dieses Jahres gibt es eine neue Chance für Aktive in der Soziokultur. Dann schreibt der Fonds die Mittel für Projekte aus, die im zweiten Halbjahr 2017 beginnen oder realisiert werden. Stichtag zur Abgabe der Anträge ist der 2. Mai 2017.

Mehr: www.fonds-soziokultur.de

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