Die Kulturpolitische Gesellschaft und die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb haben ihren 9. Kulturpolitischen Bundeskongress „Welt.Kultur.Politik – Kulturpolitik und Globalisierung“ im Tagungshotel Aquino in Berlin mit großer Beteiligung eröffnet.

Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters MdB, die den Kongress maßgeblich fördert, erklärte in ihrer Begrüßungsrede: „Anliegen der Kultur- und Medienpolitik der Bundesregierung ist es, eine Kultur der Verständigung zu fördern – in der Erinnerungspolitik ebenso wie beim Schutz des kulturellen Erbes oder in der Förderung der künstlerischen Avantgarde. Verständigung erfordert einerseits ein Bewusstsein der eigenen Identität – Klarheit darüber, was uns ausmacht als Deutsche und als Europäer. Denn nur wer das Eigene kennt und wertschätzt, kann auch dem Fremden Raum geben, ohne sich dadurch bedroht zu fühlen, und nur, wer sich begründet abgrenzen kann, ist imstande, unsere demokratischen Werte zu verteidigen. Verständigung erfordert andererseits aber auch, das Verbindende über das Trennende stellen zu können, das Menschliche über die Unterscheidung zwischen gläubig und ungläubig, zwischen deutsch und nicht-deutsch, zwischen weiblich und männlich, zwischen muslimisch und christlich.“ (Pressemitteilung BKM)

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sagte anlässlich des Kongresses: „Wir müssen als Einwanderungsland dafür sorgen, die Erfahrungen unserer Kulturmittler auch hierzulande stärker zu nutzen, beispielsweise bei Fragen der Integration. Der Zugang zu Kultur und Bildung und damit die Teilhabe an gesellschaftlichen Entscheidungen ist zentral, um Menschen eine bessere Zukunft zu ermöglichen.“ (Presseerklärung Auswärtiges Amt)

In der Erklärung, der Kulturpolitischen Gesellschaft zum Kongress wird für eine kulturelle Weltinnenpolitik plädiert, die das Potenzial der Künste nutzt, um den Dialog über kulturelle Differenzen in der multikulturellen Gesellschaft zu ermöglichen. Der Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft, Prof. Dr. Oliver Scheytt, sieht in dem Kongress ein Signal an die Öffentlichkeit, gerade in konfliktreichen Zeiten, sich an den Prämissen der Offenheit und Vielfalt zu orientieren. »Die superdiverse Gesellschaft ist die größte Herausforderung für die Kulturpolitik in den nächsten Jahrzehnten. Wir brauchen neue Strategien und Konzepte, einen kühlen Kopf und vernünftige Gespräche mit den Repräsentanten der verschiedenen Kulturen. Kunst und Kulturarbeit können dafür Themen, Medien, Orte und Gelegenheiten anbieten. Kulturpolitik muss mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln dafür sorgen, Kulturdialoge und Kulturinstitutionen im Sinne einer innergesellschaftlichen Friedens- und Demokratiepolitik neu auszurichten.«

Für die kulturelle Bildung reklamiert Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, die Herausforderung: „Wir haben eine globale Situation geschaffen, die sich in vieler Hinsicht kaum noch beeinflussen lässt. Das verlangt Klarheit und Verantwortungsübernahme, statt Uneinsichtigkeit und Beharren auf den eigenen Privilegien. Hinsichtlich der globalen Rezeption und Erfahrung von Gegenwart dürfen wir uns nicht mehr auf unsere vier Wände beschränken und auf hergebrachte Wahrnehmungsschemata verlassen. Wer Vielfalt leben und als Ziel verfolgen will, muss Ungleichheit bekämpfen und hinter sich lassen. Dekolonisierung ist Voraussetzung gelebter Diversität und muss in der Bildung als Prinzip und Methode zum Tragen kommen.“