Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD betont die grundlegende Bedeutung Kultureller Bildung für zentrale gesellschaftliche Herausforderungen wie kulturelle und soziale Teilhabe, gerechte Bildungschancen, Zusammenhalt und Stärkung der Demokratie. Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) hält dies für ein wichtiges gesellschaftspolitisches Signal. Nun gilt es, die vielversprechenden Ankündigungen gemeinsam mit der Zivilgesellschaft und in Zusammenarbeit mit Ländern und Kommunen umzusetzen.

Die Koalitionspartner wollen Kultur und Kulturelle Bildung für alle zugänglich machen, im urbanen und ländlichen Gebiet, unabhängig von Einkommen und Herkunft und damit durch Kulturelle Bildung echte Teilhabe am sozialen und Kulturellen Leben ermöglichen. Dazu soll ein „gesamtstaatliches Bündnis für kulturelle Bildung und Vermittlung sowie Medienkompetenz“ geschlossen werden, in das die Politikfelder Jugend, Bildung und Kultur eingebunden werden.

Konkret sollen auf jugendpolitischer Ebene die Mittel für Kulturelle Bildung im Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP), für das FSJ Kultur und den Bundesfreiwilligendienst im Kulturbereich sowie deren inklusive Ausrichtung verstärkt werden. Auch die internationale und europäische Jugendarbeit soll gestärkt werden, damit junge Menschen unabhängig von ihren Voraussetzungen die Chance haben, an einem internationalen Jugendaustausch teilzunehmen. In der Bildungspolitik soll Kulturelle Bildung durch das Programm „Kultur macht stark“ weiter ausgebaut und die Zusammenarbeit von schulischem und außerschulischem Raum verstärkt werden. Die Kulturpolitik soll ihren Beitrag leisten, indem sie Kultureinrichtungen im analogen und digitalen Raum besser zugänglich macht und die Kulturförderung des Bundes weiterentwickelt und ausbaut. Zudem soll die pädagogische Vermittlungsarbeit bei den vom Bund geförderten Kultureinrichtungen besser ausgestattet werden.

„Wir freuen uns, dass die Koalitionsparteien die herausragende Bedeutung anerkennen, welche der Kulturellen Bildung und ihren zivilgesellschaftlichen Akteuren für die Lösung zentraler gesellschaftspolitischer Fragen zweifelsohne zukommt. Erfreulich ist auch, dass die Koalitionsparteien zahlreiche unserer Wahlforderungen aufgegriffen haben und auch einige handfeste Zusagen machen, welche die bundesweiten Fachstrukturen und die Praxis vor Ort in ihren Aufgaben unterstützen. Die Mitglieder der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung mit ihrem Flächennetzwerk stehen selbstbewusst als konstruktive zivilgesellschaftliche Kräfte und kritische Partner einer künftigen Bundesregierung bereit.“, sagt der BKJ-Vorsitzende Prof. Dr. Gerd Taube.

Kritisch wird die BKJ die Umsetzung des – im Grundsatz begrüßenswerten – Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung und den Ausbau der Ganztagsschule begleiten. Dazu müssen Kooperationen zwischen schulischer und außerschulischer Bildung und Bildungslandschaften auf der Basis des weiten Bildungsbegriffs der Jugendarbeit weiterentwickelt werden. Denn Angebote und Einrichtungen der Jugendarbeit sind selbstbestimmte Bildungsorte für die Entwicklung und Entfaltung von Kindern und Jugendlichen*, und nicht in erster Linie Betreuungseinrichtungen. Ziel sollte daher unbedingt eine bessere und gerechtere Ganztagsbildung sein, die den Interessen und Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen* entspricht. Wie diese gestaltet werden kann, wird zentrales Thema der BKJ-Tagung „Perspektiven wechseln. Chancen schaffen“ am 16. und 17. März 2018 in Remscheid sein.

Als problematisch schätzt die BKJ ein, dass die Koalitionär*innen Integration nach wie vor als eine einseitige Aufgabe für Einwander*innen betrachten. Damit verkennen sie, dass „ein neuer Zusammenhalt für unser Land“ nur entstehen kann, wenn alle hier lebenden Menschen dieses „Neue“ gemeinsam gestalten und sich dabei weiterentwickeln.

 

STADTKULTUR HAMBURG