• Hamburger Ratschlag Stadtteilkultur

Das Programm des Ratschlags besteht aus drei Blöcken: Einer Input-Phase mit Keynotes, einer Arbeits-Phase mit parallelen Sessions und einer Austausch-Phase mit Diskussion und Meet&Greet.

20. Hamburger Ratschlag Stadtteilkultur
Wo sind unsere Grenzen der Toleranz?
Am Freitag · 8. November 2019 · von 10 bis 18 Uhr
Im Stadtteilkulturzentrum Eidelstedter Bürgerhaus · Alte Elbgaustraße 12

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Programm 20. Hamburger Ratschlag Stadtteilkultur

10.00Ankommen, Foyer und Café
10.30MOIN – Einführung & Begrüßung, Saal
durch Corinne Eichner (STADTKULTUR HAMBURG) und Holger Börgartz (Stadtteilkulturzentrum Eidelstedter Bürgerhaus)
11.00KEYNOTES:
Dr. Carsten Brosda, Foto: Bertold Fabricius

Dr. Carsten Brosda, Foto: Bertold Fabricius

KEYNOTE: Senator für Kultur und Medien Carsten Brosda: Kultur der offenen Gesellschaft
11.00 Uhr, Saal, 30 Minuten
Senator Dr. Carsten Brosda hat als erster Vorsitzender der Kulturministerkonferenz eine gemeinsame Erklärung der Länder initiiert, in der sich alle zum Schutz der Kunstfreiheit bekennen. Künstler*innen und Kulturinstitutionen steht es frei, gesellschaftspolitische Fragen kritisch zu reflektieren und mit ihrer Arbeit Stellung zu beziehen. Dies gilt auch im Falle staatlicher Förderung, da das für den Staat geltende Neutralitätsgebot nicht auf die Zuwendungsempfänger übertragen wird.
Demokratie lebt von Voraussetzungen, die sie selbst nicht garantieren kann. Deshalb ist jeder gefordert, Haltung zu zeigen und für eine vielfältige und offene Gesellschaft einzutreten. Gerade vor dem Hintergrund eines zunehmenden identitätspolitischen Drucks braucht es eine starke und freie Kultur, die Diskursräume öffnet und Begegnungen ermöglicht. Carsten Brosda spricht über die Möglichkeiten von Politik und Kultureinrichtungen in diesem Prozess.

Carina Book

Carina Book

KEYNOTE: Carina Book: Der Kulturbegriff der Neuen Rechten
11.30 Uhr, Saal, 30 Minuten
Carina Book spricht über den Kulturbegriff der Neuen Rechten und analysiert dessen Konsequenzen. Theater und andere Kultureinrichtungen werden zu Zielscheiben der extremen Rechten, deren Eskalationsstrategie darauf abzielt, die gesellschaftliche Dialogfähigkeit zu zerstören. Carina Book ist Politikwissenschaftlerin und Referentin in der politischen Bildung. Sie forscht und publiziert derzeit zur Entwicklung und Ideologie der Neuen Rechten. Zudem beschäftigen sie die Ursachen für das globale Erstarken rechter Kräfte und dessen Auswirkungen auf demokratische Gesellschaften.

Dierk Borstel

Dierk Borstel

KEYNOTE: Dierk Borstel: Ideologien der Ungleichwertigkeit in der Einwanderungsgesellschaft
12.00 Uhr, Saal, 30 Minuten
On- und offline werden menschenfeindliche Ideologien sicht- und hörbarer. Was früher öffentlich unsagbar war, feiert heute Wahlerfolge und sammelt Klicks im Netz. Menschenfeindlichkeit ist dabei kein Alleinstellungsmerkmal deutscher Rechtsextremist*innen. Entsprechende Ideologien haben sich einerseits in der Mitte der Gesellschaft verankert, andererseits in einer von Einwanderung geprägten Gesellschaft der Vielfalt auch ausdifferenziert. Der Vortrag gibt einen Überblick über diese Veränderungen und fragt nach den Konsequenzen für eine liberale und demokratische Kultur. Dierk Borstel ist Professor für praxisorientierte Politikwissenschaften an der Fachhochschule Dortmund.


12.40KLÖN-SNACK (= Mittagessen), Foyer und Café

13.40Vorstellung der Sessions, Saal
14.00SESSIONS I – vier parallele Vorträge & Diskussionen
Awista Gardi

Awista Gardi

Vortrag: Awista Gardi: Der alltägliche Rassismus
14.00 Uhr, Vortrag und Nachfragen, Saal, 60 Minuten
Eine beispielhafte Untersuchung der Erfahrungen Studierender am Department Soziale Arbeit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg.
Rassismus ist nicht das Problem der anderen, Rassismus gibt es überall, er ist tief verwurzelt und tritt mitunter auf so subtile Art und Weise auf, dass er oft nur den Betroffenen zu Bewusstsein kommt – und kritische Auseinandersetzungen damit abgewehrt werden. In welchen Formen und Situationen tritt Alltagsrassismus auf und wie lässt sich eine Sensibilität für das Thema entwickeln, gerade in Kontexten, in denen alle glauben, sie seien frei von rassistischen Denk- und Handlungsweisen?
Awista Gardi beschäftigt sich an der HAW Hamburg mit Rassismusforschung und berichtet über ihre Erkenntnisse.

Dierk Borstel

Dierk Borstel

Diskussion zu „Ideologien der Ungleichwertigkeit“ mit Dierk Borstel
14.00 Uhr, Diskussion, Raum 1, 60 Minuten
Die Teilnehmer*innen erhalten in dieser Session die Möglichkeit, mit Dierk Borstel über die Aussagen und Konsequenzen seiner Keynote „Ideologien der Ungleichwertigkeit in der Einwanderungsgesellschaft“ zu diskutieren.

Workshop: Mobiles Beratungsteam gegen Rechtsextremismus: Umgang mit (extrem) Rechten im Kontext von Stadtteilkultureinrichtungen
14.00 Uhr, Workshop, Raum 2, 60 Minuten
Rechtsextreme Schmierereien oder Aufkleber am eigenen Gebäude, die Raumanfrage einer Gruppe aus dem rechten Spektrum, rassistische Drohungen oder Mobilisierung gegen Veranstaltungen mit Geflüchteten, aber auch rechte Sprüche von Besucher*innen – es gibt viele mögliche Berührungspunkte von Stadtteilkultureinrichtungen mit der (extremen) Rechten in ihrer Arbeit. Im Workshop geht es um rechte Strukturen, aber vor allem auch um Fragen zu Haltung und Handlungsspielräumen von Einrichtungen und Mitarbeiter*innen.

Sigrid Curth

Sigrid Curth

Vortrag: Sigrid Curth: Geschichtswerkstätten in der Debatte um demokratische Erinnerungskultur: Toleranz gegenüber Traditionspflege?
14.00 Uhr, Vortrag und Diskussion, Raum 3, 60 Minuten
NS-Relikte im öffentlichen Raum werden zunehmend zum Stein des Anstoßes. Zwei Wandsbeker Beispiele, der Geschichtsstein und das Husarendenkmal, zeigen die schwierigen Diskurse um Dekonstruktion zugunsten angemessener Denk-Male für heute. Wie können die Auseinandersetzungen um die Interpretation des lokalen Erbes geführt werden?
Einen Input dazu gibt Dr. Sigrid Curth von der Geschichtswerkstatt Wandsbek.

15.00FOFFTEIN (= kurze Pause), Foyer und Café
15.30SESSIONS II – vier weitere parallele Workshops, Vorträge & Diskussionen
Gregor Schulz

Gregor Schulz

Workshop: Gregor Schulz vom Institut für konstruktive Konfliktaustragung & Mediation: Zum Umgang mit diskriminierenden Äußerungen im Alltag
15.30 Uhr, Workshop, Saal, 60 Minuten
Im Alltag werden wir immer wieder mit Äußerungen, Parolen und Argumenten konfrontiert, die der Menschenwürde widersprechen. Fremdenfeindliche, frauenfeindliche, homosexuellenfeindliche, behindertenfeindliche Parolen werden oftmals in emotionaler Gesprächsatmosphäre geäußert. Häufig hinterlässt die Unfähigkeit, in der konkreten Situation sofort und angemessen zu reagieren, bei uns ein unangenehmes Gefühl der Ohnmacht.
Der Pädagoge und Mediator Gregor Schulz vom Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation zeigt Kommunikationsmittel und Handlungsstrategien auf.

Carina Book

Carina Book

Diskussion zu „Der Kulturbegriff der Neuen Rechten“ mit Carina Book
15.30 Uhr, Diskussion, Raum 1, 60 Minuten
Die Teilnehmer*innen erhalten in dieser Session die Möglichkeit, mit Carina Book über die Aussagen und Konsequenzen ihrer Keynote „Der Kulturbegriff der Neuen Rechten“ zu diskutieren.

Katja Scheer

Katja Scheer

Groeschel

Jan Gröschel

Vortrag: Katja Scheer und Jan Gröschel: Was tun, wenn ein offenes Haus sich verschließen muss?
15.30 Uhr, Vortrag und Nachfragen, Raum 2, 60 Minuten
Katja Scheer berichtet von den wiederholten Versuchen der AfD, das Bürgerhaus Wilhelmsburg für Parteitage zu nutzen. Nachdem die Rechtsextremisten trotz Rückenwind aus dem Hamburger Abendblatt – und dem damit verbundenem Shitstorm für die damalige Geschäftsführerin des Bürgerhauses, Bettina Kiehn – und dank des Widerstandes des Bürgerhauses Wilhelmsburg draußen bleiben mussten, zogen sie mit einem Eilantrag vor das Oberverwaltungsgericht, das den Antrag ablehnte. Was kann eine Einrichtung tun, um sich gegen solche Raumansprüche zu wehren? Katja Scheer hat im Oktober die Nachfolge von Bettina Kiehn in der Geschäftsführung des Bürgerhaus Wilhelmsburg übernommen. Jan Gröschel von der Kanzlei Hammerstein liefert die rechtlichen Hintergrundinformationen.

Michael Gerland

Michael Gerland

Ulf Brennecke

Ulf Brennecke

Vortrag: Michael Gerland und Ulf Brennecke von Legato: Religiös begründete Radikalisierung im Sozialraum
15.30 Uhr, Vortrag und Nachfragen, Raum 3, 60 Minuten
Unter jungen Menschen finden immer wieder totalitäre Gruppen und Organisationen Gehör, die eine fundamentalistische Religionsauslegung verfolgen. Mit einer religiös begründeten Radikalisierung geht oft die Ablehnung universeller Menschenrechte, in einzelnen Fällen auch die Befürwortung von Gewalt einher. Wie äußert sich diese Art Radikalisierung im Sozialraum / Wohnquartier, welche Veränderungen gab es diesbezüglich in der jüngsten Vergangenheit und wie lässt sich damit umgehen?
Michael Gerland (systemischer Therapeut) ist federführend zuständig für die interne Fallanalyse und Fallreflektion im Projekt „Legato, Fach- und Beratungsstelle für religiös begründete Radikalisierungen“. Ulf Brennecke (Sozialarbeiter und Islamwissenschaftler) ist Leiter des Projektes „Legato, Islamismusprävention im justiziellen Feld“.


16.30FOFFTEIN, Foyer und Café

17.00MUSIK mit dem Lutopia Orchestra, Saal
Lutopia Orchestra

Das Lutopia Orchestra

Das Lutopia Orchestra spielt einen Stilmix aus funky Blues, Rock und Polka: Geradeheraus und wirkungsvoll. Tonebone und Antonia am Kontrabass bieten – mit Tasten, Balg, Blech, Drums, etlichen Saiten und speziellen Gitarren – Musik für Augen und Ohren.

17.10TALK: Toleranz auch für die Feinde der Toleranz? Wo sind unsere Grenzen?
Mit Carina Book, Dan Thy Nguyen, Katja Scheer und dem Publikum, Saal
17.50MUSIK, Saal

18.00KLÖN-SNACK (Knabbereien und Getränke) und Ausklang, Saal
19.00Und nu: Daddeldu

Moderation: Michael Weidemann, NDR Info

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Hinweis

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

STADTKULTUR HAMBURG