Mit dem Projekt „Formate für die Demokratie“ initiiert STADTKULTUR HAMBURG einen gemeinschaftlichen Entwicklungsprozess der Hamburger Stadtteilkultur zur Stärkung demokratischer Teilhabe. In sechs Arbeitsgruppen entstehen neue Formate der Demokratieförderung, die in Pilotphasen getestet und anschließend weiterverbreitet werden. Die gewonnenen Erfahrungen werden in einer Toolbox gebündelt und für die Zivilgesellschaft zugänglich gemacht.

Soziokulturelle Zentren und Initiativen sind das sichtbare Ergebnis demokratischer Prozesse: Sie sind entstanden durch das gesellschaftliche Engagement von Menschen in den Quartieren. Demokratieförderung ist Teil des Selbstverständnisses von Soziokultur. Demokratische Werte und Strukturen geraten jedoch zunehmend unter Druck: Diese Entwicklung ist bis in die lokalen Ebenen hinein zu spüren – auch in den Hamburger Stadtteilen.
Mit neuen „Formaten für die Demokratie“ wollen die Einrichtungen der Hamburger Stadtteilkultur dem entgegenwirken. Gefördert durch die Behörde für Kultur und Medien und koordiniert durch STADTKULTUR HAMBURG haben sich rund 20 Stadtteilkultureinrichtungen zu sechs Arbeitsgruppen zusammengeschlossen, um neue, nachhaltige und übertragbare Ansätze der Demokratieförderung zu entwickeln.
Die „Formate für die Demokratie“ in der Entwicklung
Zurzeit werden sechs Formate entwickelt. Die Entwicklung befindet sich in unterschiedlichen Stadien: Einige Formate befinden sich bereits in der Pilotierung, während andere noch konzeptionell ausgearbeitet werden:
Forschen, Demokratie, Biografischer Ansatz (AT)
Welchen Einfluss haben unsere Biografien auf unser Demokratieverständnis? Mit dem Ansatz von Citizen Science soll ein Format entwickelt werden, in dem Bürger*innen sich als Alltagsforscher*innen mit ihren biografischen Demokratieverständnissen, -wahrnehmungen und -erlebnissen auseinandersetzen und darüber miteinander ins Gespräch kommen.
Beteiligte Mitglieder von STADTKULTUR HAMBURG:
B*Treff Altona, Kulturpunkt im Barmbek Basch und Stadtteilarchiv Ottensen in Kooperation mit Expert*innen aus den Bereichen Erinnerungsarbeit, Biografische Interviews, Oral History und Bürger*innenforschung (Citizen Sciences)
Demokratische Trends: Ein Curriculum für Schüler*innen-Praktika
Wie funktionieren Trends auf Social Media und wie lassen sich neue Trends setzen, die sich konstruktiv – und nicht destruktiv – mit Demokratie auseinandersetzen? Dazu soll ein Format von, für und mit Jugendlichen entstehen.
Beteiligte Mitglieder von STADTKULTUR HAMBURG:
ella Kulturhaus, Kinderbuchhaus Altona in Zusammenarbeit mit Lehrer*innen und Schüler*innen aus Altona und Langenhorn
„Let’s talk about… Wertekonflikte“ (AT)
Es gibt bereits eine Reihe guter Formate, die Menschen mit unterschiedlichen Werten miteinander ins Gespräch bringen. Aus Mangel an Ressourcen können sie jedoch häufig nicht verstetigt werden und wirken nur punktuell. Wie können daraus nachhaltige Formate für den Stadtteil entwickelt werden?
Beteiligte Mitglieder von STADTKULTUR HAMBURG:
Bürgerhaus Allermöhe, LOLA, Bürgerhaus Bornheide, Lenzsiedlung, GWA St. Pauli und Kulturhaus Süderelbe
Politik und Beteiligung: „SHARE!“
Die Kernidee des Demokratieprojekts SHARE! besteht darin, jungen Menschen einen kollektiven, transparenten Entscheidungsprozess zu ermöglichen, in dem sie selbst Projektideen einreichen und dann gemeinsam über diese Ideen für ein 3.000-Euro-Budget beraten und entscheiden. Inspiriert vom „Gap Programme“ aus Budapest wird ein deliberativer Auswahlprozess entwickelt, in dem junge Erwachsene selbst Verantwortung übernehmen, Kriterien aushandeln und gemeinsam Prioritäten setzen.
Beteiligte Mitglieder von STADTKULTUR HAMBURG:
fluxus², Kulturhaus Eidelstedt, KulturLeben Hamburg, GWA St. Pauli, Zinnschmelze, Salon International, Brakula und Stadtteiltreff A.G.D.A.Z.
„Hemmschwellengymnastik“ (AT)
Die „Hemmschwellengymnastik“ ist ein interaktives Pop-up-Format im öffentlichen Raum, das Passant*innen motiviert, Wünsche und Anliegen für Veränderungen in ihrem Stadtteil vorzubringen. Dabei werden Möglichkeiten der demokratischen Beteiligung aufgezeigt und direkt vor Ort in die Wege geleitet. Gemeinsam werden passende Ansprechpartner*innen in der Verwaltung recherchiert und über E-Mail, Post, Fax oder Telefon kontaktiert.
Beteiligte Mitglieder von STADTKULTUR HAMBURG:
Zinnschmelze, Kulturklinker Barmbek und HausDrei in Kooperation mit Puppenspiel-Künstler*innen
Erprobung von Bürgerräten
Was ist ein Bürgerrat? Wie funktioniert er? Welche Aufgaben hat er? Und wie fühlt es sich an, Teil eines Bürgerrates zu sein? In einem dreistündigen Workshop lernen bis zu 30 Teilnehmende die Funktionsweise eines Bürgerrates kennen und beraten über ein zuvor gewähltes Thema – wie in einem echten Bürgerrat.
Beteiligte Mitglieder von STADTKULTUR HAMBURG:
Kulturladen St. Georg und Lukulule in Kooperation mit Mehr Demokratie e.V.
Umsetzung des Projektes

Im April 2025 ist das Projekt Formate für die Demokratie mit einem Auftakt-Workshop im HausDrei gestartet. Im Juli folgte ein Kick-off-Workshop im B*Treff. Seitdem entwickeln sechs Arbeitsgruppen zusammen mit Künstler*innen, Kooperationspartner*innen aus den Stadtteilen sowie Fachexpert*innen und Prozessbegleiter*innen Formatprototypen und erproben diese in einer ersten Pilotphase in einzelnen Einrichtungen. Nach einer Auswertung und gegebenenfalls einer Nachjustierung folgt eine Skalierungsphase: In dieser Phase werden die Formate an weiteren Standorten umgesetzt. In der letzten Phase entsteht eine Toolbox auf Basis der entstandenen Expertise. Sie ermöglicht es, die entwickelten Formate über den Projektzeitraum hinaus hamburgweit und bundesweit zu erproben, anzupassen und weiterzuentwickeln.
Erprobung neuer Formen der Zusammenarbeit
Neben der Entwicklung neuer Formate geht es im Projekt „Formate für die Demokratie“ auch um die Erprobung neuer Formen der Zusammenarbeit. Die Einrichtungen der Stadtteilkultur sind gut miteinander vernetzt in unterschiedlichen Austauschrunden und nicht zuletzt durch den jährlichen Hamburger Ratschlag Stadtteilkultur. Die stadtteilübergreifende Zusammenarbeit im Programm- und Veranstaltungsbereich ist aber bisher eher die Ausnahme. Dabei lassen sich durch solche Kooperationen Ressourcen sparen und Synergien schaffen. Expertise, Know-how, aber auch Räume, Technik und nicht zuletzt zeitliche Ressourcen können gemeinsam genutzt werden. Das stärkt die Verbindung untereinander und die Resilienz in Zeiten von Dauerkrisen.

Mehr Infos und Mitwirkungsmöglichkeiten
Wer Interesse an mehr Informationen hat oder sich bei der Entwicklung der Formate einbringen möchte, kann sich an die Projektleitung Sylvia Linneberg wenden: .
Ein Projekt der Zukunftsinitiative Stadtteilkultur

Das Projekt „Formate für die Demokratie“ ist Teil der Zukunftsinitiative Stadtteilkultur von STADTKULTUR HAMBURG. Mit der Initiative will der Dachverband seinen Mitgliedern mehr Beratung, Know-how und Unterstützung in den drei Transformationsbereichen Demokratie, Nachhaltigkeit und Digitalisierung bieten.
