Jugendstilgiebel, stuckverzierte Fassaden, in den Eingängen farbige Kacheln mit maritimen Motiven: Das ist die Fährstraße im Wilhelmsburger Nordwesten – plötzlich durchschnitten von einem Deich. Wie kam das? Geschichte liegt auf der Straße. Man muss sie nur aufheben. Auf den Elbinseln Wilhelmsburg und der Veddel sind es sehr viele Geschichten. Das unterscheidet sie von fast allen Hamburger Stadtteilen.

Passierzettel soll eine Straße sein? Dahinter steht eine fast vergessene Geschichte des Hamburger Hafens: Passierzettel heißt eine kleine Straße auf der Veddel – ein Hinweis auf die Nachbarschaft zum Freihafen, den man nur mit dem besagten Papier betreten durfte.

Viele Straßennamen erzählen auch über frühere Landschaftsformen: Der Name Pollhornbogen geht zurück auf „Pullhorn“: „Horn“ bedeutet „Winkel“ oder „Ecke“ und „Pull“ ist die „Spitze“. Pullhorn ist also vielleicht die spitze Ecke einer früheren Insel oder Halb-insel in der Elbe gewesen.

Auf 60 Seiten bietet ein kleines Buch der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen für 6 Euro einen aktuellen Überblick über alle Straßen Wilhelmsburgs und der Veddel und ihre Geschichte – reich bebildert mit 100 Fotos aus über 100 Jahren Stadtteilgeschichte. Erhältlich ist das Heft in der Buchhandlung Lüdemann in der Fährstraße 26 und natürlich in der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg.