Seit Jahren fordert die Kulturinitiative SuedKultur Kreativräume für Kulturschaffende. Ob Musikproberäume oder Ateliers – seit Jahren verschlechtert sich die Situation. Und nun nimmt sie mit der Aufkündigung der Proberäume in der Alten Wache in der Nöldekestraße 17 die Not noch akut zu.

Knapp vierzig Musiker*innen stehen schon in den nächsten Wochen vor einem massiven Problem. Die Initiative SuedKultur erhielt einen Hilferuf aus der Nöldekestraße 17 in Harburg. Die einstige Polizeiwache wurde vor einigen Jahren an ein privates Orchester veräußert, das dort auch Proberäume für etliche Harburger Musiker*innen zuließ. Nun ändern sich in weiten Teilen des Gebäudes die Mietverhältnisse und den Bands wurde kurzerhand gekündigt. Zehn Bands mit rund 60 betroffenen Musiker*innen stehen nun unmittelbar vor einem massiven Problem. Denn wo kann geprobt werden? Ohne Proben keine Auftritte. Ohne Auftritte keine Konzertmöglichkeit.

Ein harter Schlag für Harburgs Kulturlandschaft. Bands wie Yellow Carpet, Trashkat, Stillleben, die Betty Ford House Band, A Life in a Minute, die zuweilen auch zum Programm der jährlichen SuedKultur Music-Night beitragen aber auch ein afghanisches Musikprojekt stehen vor dem Aus.

„Seit Jahren warnen wir vor der ohnehin schlechten Proberaumsituation im Süden Hamburgs und stellten Anträge, um Leerstand zwecks Umfunktionierung zu Proberäumen ermitteln. Nun fällt das Kind in den Brunnen“, so Heiko Langanke, der das Thema für die Initiative SuedKultur seit Jahren verfolgt. „Mittlerweile gibt es selbst Kontakte zu potenziellen Investoren, um etwa Gebäude zu kaufen und langfristig zu Proberäumen umzubauen. Aber all das verpufft, wenn es seitens des Bezirkes weder ein Bewusstsein oder gar eine grundlegende Unterstützung gibt.“

Und das betreffe nicht nur Proberäume für Musik sondern auch Ateliers etwa die für Bildende Kunst. „Das Thema stiefmütterlich zu behandeln ist grob fahrlässig. Denn im Grunde sind es die Arbeitsplätze von Kulturschaffenden. Man muss sich mal vorstellen, sie bekämen ihre Büros gekündigt, sollen aber weiter Arbeitsergebnisse produzieren …“, so Langanke, der schon 2010 an einer Konzeption zur Umnutzung der Alten Wache arbeitete.

Damals stand die Nöldekestraße 17 jahrelang beheizt leer und befand sich noch im Besitz der Stadt Hamburg. Neben den rund 60 Musiker*innen, die nun durch die Aufkündigung der Proberäume in der Nöldekestraße betroffen sind, fällt auch die Raumnutzung eines St.-Pauli-Fanclubs und des Tischkickervereins Sidekick e.V. weg, zu dem alleine 60 aktive Mitglieder zählen.

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