Liegt es in oder nah bei Harburg? Diese Frage kann man sich durchaus stellen, wenn man sich die Pläne für das neue All-Kulturhaus Sued anschaut. Das hat nun die Planungsgruppe „Die 3Ls“ vorgestellt und kommen zu dem Fazit: Im Jenseits.
Grafik des Architekten Carsten Lünzmann
Visualisierung des Architekten Carsten Lünzmann

Um was geht es aber genau? Auf dem einstigen Kunstwerk „niemandes land“, das der Künstler Piet Trantel 1990 dadurch schuf, dass er beim Zugang zum Alten Friedhof Harburg an der Bremer Straße gelegen ein Grundstück aus dem Grundbuch hat austragen lassen und es so zum „niemandes land“ ernennen konnte, wird gebaut. Und zwar nach oben hin dreistöckig mit verschachtelten Quadern und einem Gründach, nämlich dem ursprünglichen Boden des Kunstwerkes.

Das Kunstwerk, das knapp 80qm umfasst – so die Auflage des Künstlers Trantel – soll dem menschlichen Tun entzogen sein. Also weder bepflanzt noch begärtnert werden. „Daher heben wir eine 1 meterdicke Bodenschicht samt Kunstwerk behutsam auf den neuen Glaspavillon“, so Architekt Carsten Lünzmann der 3L-Gruppe. „Dadurch schaffen wir es, auch durch die Höhe das Kunstwerk dem menschlichen Zugriff zu entziehen und stellen es zugleich als Gründach in den ökologischen Zukunftsgedanken: ganz im Sinne der Gründachstrategie der Behörde für Umwelt und Entwicklung.“

Im Glaspavillon selbst wird Kunst gezeigt, denn dort bekommt die einst im Projekt „3falt“ in der wieder leerstehenden Dreifaltigkeitskirche Harburgs gegründete Kunstleihe ein neues Zuhause. Kunstleihe-Initiator und Partner in der „3L“-Gruppe Heiko Langanke: „Ich fand‘ den Gedanken erst befremdlich. Aber wir sind in Harburg – als Kulturschaffender ist das hier ein völlig normales Gefühl. Und bei den konkreteren Planungen fiel uns auf, dass wir der Kunst dort genau den richtigen Rahmen geben: Freiheit pur! Galaktisch einfach! Ganz nebenbei: Wir brauchen keine ausführliche
Registratur und Kasse führen, da in „niemandes land“ kein Finanzamt prüft.“

Groß wirkt der Pavillon nicht. Und doch sollen dort Theater, Konzerte, Lesungen und vielerlei anderes statt finden. „Das ist das Ausgeklügelte daran“, so das dritte L im Bunde, Mathias Lintl und Chefplaner für digitale Empahtie. „Durch einen Korridor gerät man in eine Art Kellerbereich, in dem eine ganzzahlige lineare Optimierung – Grundlage ist ein Algorithmus, der schon bei der Entwicklung des mp3-Formates eingesetzt wurde – in einer SSA-basierten Registratur stattfindet“, so Lintl. „Hört sich merkwürdig an, aber die meisten Menschen würden es vermutlich als Rematerialisierung oder kurz ‚Beamen‘ besser verstehen.“

Dadurch aber könnten nach jetzigem Stand der in der TUH-Burg entwickelten Registratur bis zu 300 Menschen in einen Club passen, der real nicht fassbar ist. „Natürlich ist dies abhängig von der verfügbaren Rechenleistung, doch planen wir einen grundwassergekühlten Rechner mit 1.000 TeraFlops, vergleichbar mit einem, der in Offenbach die Wettervorhersage berechnet.“

„Es gab anfangs ein paar technische Probleme, aber die sind gelöst“, so Langanke. Eine Genehmigung hingegen war nicht nötig oder besser möglich, denn auf mündliche Anfrage etwa konnte die Unesco keine Einwände finden, da ’niemandes land‘ und so auch der virtuelle Club nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fielen. Auch hinsichtlich der Änderungen des eigentlichen Kunstwerkes von Piet Trantel konnte bislang nicht geklärt werden, welche Stellen Genehmigungen erlassen könnten. Mit dem Künstler selbst hat sich die 3L-Gruppe hingegen eindeutig geeinigt. In Bitcoins wurde ihm eine angemessene Summe über die Virtual-Bank gewährt, über deren Höhe beide Seiten aber Stillschweigen wahren.

Der Bau soll noch in diesem Monat beginnen und bleibt günstig bei etwa 200 T€, einer Bruttofläche von 50 Real-Kubikmeter und bei 4000 Kubikmeter Nutzfläche. „Sparen können wir aber vor allem, da weder Brandschutz- noch Lärmschutzauflagen gelten oder eingehalten werden müssen. Zudem: 19% Mehrwertsteuer entfallen, womit ’niemandes land‘ auch als Steueroase gilt. Und nicht nur beim Bau, auch beim Eintritt oder den Künstlergagen“, so Lünzmann. Auch die Stromversorgung konnte samt Übernahme der Kosten geklärt werden, benötigt der Rechner doch zirka 400kW. „Ein Öko-Stromanbieter und Windparkbetreiber aus der Nordheide konnte gewonnen werden, seinen überschüssigen Strom uns zu Superkonditionen zur Verfügung zu stellen, weil die Ableitung gen Süden noch mindestens fünf Jahre auf sich warten lässt“.

Als Investor für Hoch-, Tief- und VR-Bau fand sich der bisher in Harburg nicht in Erscheinung getretene Bob Mahley, der – so Gerüchte – mit auf „niemandes land“ gewachsenem Hanfgras in jüngster Vergangenheit in der phar-mazeutischen Branche zu Vermögen gekommen sein soll. Die 3Ls wollten dies nicht bestätigen. „Das halten wir aber eher für einen Aprilscherz.“

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