Eine neue Ausstellung in der Hamburger Rathausdiele behandelt die Rolle der Hamburger Kulturpolitik während der NS-Zeit. Sie zeigt, wie Museen, Theater, Bücherhallen oder die Hochschule für Bildende Künste zwischen 1933 und 1945 gewirkt haben und stellt Biografien verfolgter Künstler*innen vor.
Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, Prof. Oliver von Wrochem, Vorstand der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen und die Kuratorin der Ausstellung, Gisela Ewe, haben im Rahmen der Landespressekonferenz die Ergebnisse des zweijährigen Forschungsprojekts über die Hamburger Kulturlandschaft im Nationalsozialismus vorgestellt, die Grundlage der Ausstellung sind, die bis zum 10. März 2026 zu besichtigen ist.
In Hamburg gab es vor 1933 ein vielfältiges Kulturleben: Museen zeigten moderne Kunst, Konzerte, Theater, Kinos und Tanzlokale boten ein breites Spektrum kultureller Angebote, die sich im Spannungsfeld politischer, sozialer und wirtschaftlicher Entwicklungen der Zeit entfalteten. Nach der Machtübertragung durch die Nationalsozialisten 1933 wurde die Kultur systematisch gleichgeschaltet und fiel unter die Kontrolle der neu gegründeten Kulturverwaltung. Die Kulturpolitik wurde nach dem nationalsozialistischen Führerprinzip neu organisiert, demokratische Mitwirkungsstrukturen beseitigt und kulturelle Institutionen und Produktionen konsequent auf die ideologischen Vorgaben des Regimes ausgerichtet.
Zehn Hamburger Kultureinrichtungen haben für die Ausstellung ihre Archive geöffnet und zusammen mit weiteren Forscher*innen einen Blick zurück in die eigene NS-Geschichte geworfen. Die Hamburgische Staatsoper, das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg und die Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg haben die Ausstellungsentwicklung zudem als Kooperationspartner*innen unterstützt.
„Die Ausstellung ‚Kultur unter Kontrolle‘ zeigt, wie eng Kultur, Politik und Verwaltung in Hamburg während der NS-Zeit miteinander verwoben waren. Dass wir uns erst jetzt mit diesem Teil unserer Geschichte auseinandersetzen, macht deutlich, wie schwer sich lange auch staatliche Institutionen mit einer kritischen Betrachtung ihrer Vergangenheit getan haben. Dabei ist es dringend notwendig, dass wir uns bewusst machen, welche gesellschaftliche Bedeutung den Künsten zukommt und wie gefährlich ihre politische Instrumentalisierung ist. Die Ausstellung benennt Täter und macht Opfer der nationalsozialistischen Kulturpolitik sichtbar. Es liegt in unserer Verantwortung, die Vergangenheit aufzuarbeiten und dafür zu sorgen, dass die Freiheit der Künste und Kultur in Zukunft verteidigt wird und sie niemals wieder als politische Instrumente missbraucht werden.“
Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg
Auf: www.hamburg.de
