Kulturbehörde: Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit

Als erste deutsche Metropole hat sich Hamburg 2014 zur Aufarbeitung kolonialen Geschichte und ihrer Folgen entschieden. Nun hat der Beirat zur Dekolonisierung Hamburgs beim Runden Tisch Koloniales Erbe ein Eckpunktepapier für ein dekolonisierendes Erinnerungskonzept vorgestellt.

Die Aufarbeitung dieses schwierigen Erbes gehört zu den zentralen erinnerungspolitischen Aufgaben. Seit Ende der 1990er Jahre haben verschiedene zivilgesellschaftliche Gruppen, unter ihnen insbesondere die Black Communities und People of Color (BPoC), mit hohem Engagement und großer Kreativität das Thema in die öffentliche Aufmerksamkeit gebracht.

Seit dem Senatsbeschluss von 2014 ist in Hamburg viel in Bewegung gekommen. An der Universität Hamburg wurde die Forschungsstelle „Hamburgs (post)koloniales Erbe / Hamburg und die frühe Globalisierung“ eingerichtet. Die Hamburger Museen und Theater haben sich verstärkt des Themas angenommen. Mit dem Runden Tisch Koloniales Erbe hat die Behörde für Kultur und Medien 2017 einen breit angelegten zivilgesellschaftlichen Beteiligungsprozess gestartet.

Um den für den Prozess notwendigen Perspektivwechsel zu gewährleisten, hat der Senator für Kultur und Medien 2019 den Beirat zur Dekolonisierung Hamburgs berufen. Der Beirat ist interdisziplinär und intersektional mit engagierten Expert*innen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Kultur, Bildung, Kunst, Medien, Soziales, Wirtschaft und Verwaltung besetzt, die mehrheitlich einen migrantisch-diasporischen Hintergrund aus den Schwarzen und PoC-Communities haben. Sie bringen aus den ehemals kolonisierten Ländern ihre eigenen Perspektiven ein.

Dekolonisierung betrifft jedoch nicht nur den Wissenschafts- und Kulturbereich, sondern die gesamte Stadtgesellschaft. Deshalb nennt das nun vorgelegte Eckpunktepapier, das an die Beratungen des Runden Tisches anknüpft, neben den Themen- und Aufgabenfeldern von Wissenschaft und Forschung, Museen und Gedenkstätten, Theater, Literatur, Bildende Kunst, öffentliche Erinnerungsorte und Straßennamen auch die Bereiche Kita, Schule und Bildung, internationale Kooperationen und Städtepartnerschaften, Wirtschaft und Umwelt, Gesundheitswesen sowie Fragen des strukturellen Rassismus.

Das Papier bildet die Grundlage für den weiteren Prozess der Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit. Die Behörde für Kultur und Medien wird nun im Dialog mit den Interessengruppen und den betroffenen Behörden und Institutionen konkrete Schritte auf den Weg bringen. Dazu gehört unter anderem der Umgang mit kolonial belasteten Straßennamen und anderen Spuren kolonialer Vergangenheit im Stadtraum, der laufende Aufklärungsprozess an den Museen über Sammlungsgut aus kolonialen Unrechtskontexten und die verstärkte Zusammenarbeit und der Austausch mit Bund, Ländern und Kommunen zu dem Thema.

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