„Ich bin so dankbar für alle eure Bemühungen und euer Engagement! Es ist sicher keine einfache Aufgabe, aber gebt nicht auf. Please don’t give up!“ Mit diesen Worten würdigte Nermin Baravi, die aus Syrien geflüchtet ist und sich seit dem Frühjahr 2016 im Hamburger Bundesfreiwilligendienst „BFD Welcome“ engagiert, das aus ihrer Sicht nicht selbstverständliche Engagement von Akteur*innen der Kulturarbeit, die sich in Berlin zu einem groß angelegten Fachaustausch versammelt hatten.

Im Zeichen der von der Staatsministerin für Kultur und Medien initiierten bundesweiten Initiative „KULTUR ÖFFNET WELTEN“ veranstaltete die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. in Kooperation mit dem Theater RambaZamba und Capoeira Angola e.V. am 20. und 21. Mai 2016 die Tagung „Mehr als willkommen!“. In der Berliner KulturBrauerei kamen rund 120 Vertreter/-innen, überwiegend aus soziokulturellen Zentren, Netzwerken und Kulturinitiativen, aber auch aus Verbänden, Wissenschaft und Politik sowie Geflüchtete aus verschiedenen Ländern miteinander ins Gespräch.

Für die Soziokultur – also den Teil des Kulturbereichs, der sich dem Anspruch „Kultur für alle“ verschrieben hat – ist es nur folgerichtig, sich geflüchteter Menschen und ihrer Themen anzunehmen. Zwar kann Kulturarbeit die vielen existenziellen Fragen der Geflüchteten nicht in Gänze beantworten, doch die niedrigschwelligen Kultur- und Begegnungsangebote begleiten und fördern das Empowerment von Geflüchteten. Viele Angebote sind gleichzeitig der Motor für eine Vernetzung von aktiven Organisationen, Initiativen und Helfer/-innen.

An der Podiumsdiskussion „Positionen“ nahmen die Bundestagsabgeordneten Hiltrud Lotze (SPD), Sigrid Hupach (DIE LINKE) und Ulle Schauws (Bündnis 90/Die Grünen) teil. Die Kulturpolitikerinnen unterstrichen die Leistungen der soziokulturellen Akteur/-innen und bedankten sich bei ihnen für ihre wichtige Arbeit. Alle Abgeordneten betonten die Notwendigkeit und ihre Bereitschaft, diese Arbeit besonders zu fördern.

Eleonore Hefner, Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V., gab zu bedenken, dass eine Stärkung bestehender Strukturen hilfreicher sein könne als die Einrichtung neuer Fördertöpfe. Wichtig sei es, die Förderung der prozessorientierten Arbeit der Soziokultur anzupassen. Der lange versprochene Bürokratieabbau müsse Wirklichkeit werden. Zudem sei es längst an der Zeit, mit ressortübergreifenden Finanzierungsmodellen dem spezifischen Querschnittsansatz der Soziokultur, der von der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags „Kultur in Deutschland“ 2007 besonders hervorgehoben worden ist, zu entsprechen.

Soziokultur live war anschließend beim Projektparcours zu erleben. Von Stelzentheater über Skateboarding bis hin zum Klangworkshop und Lastenfahrrad „MediaTrike“ – viele spannende Formate werden in den soziokulturellen Zentren bundesweit erprobt. In Workshops, einem World-Café und der kollegialen Beratung „Case Clinics“wurden neue Methoden der Kulturarbeit mit Geflüchteten vorgestellt, Themen fokussiert, Wissen vermittelt und Erfahrungen ausgetauscht. Die Dokumentation der Tagung erscheint in Kurzform in der Zeitschrift SOZIOkultur und in Form eines Blogs „Mehr als willkommen!“.

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