Fast 100 Zuschauer*innen ertasteten am Freitagabend, den 14. Juli 2017, im nahezu dunklen Saal99 des Stadtteilkulturzentrums Eidelstedter Bürgerhaus ihre Sitzplätze. Sie waren gekommen um die Abschlusspräsentation des Tanz- und Theaterprojektes OPENHAUS zu erleben.

Premiere OPENHAUS, Foto: Christian Bartsch

Premiere OPENHAUS, Foto: Christian Bartsch

Fast dunkel war es im Saal, da die Akteure, ausgestattet mit brennenden Kerzen, schon im Raum und auf der Bühne verteilt standen, um den Gästen eine sinnlich erfahrbare Einstimmung auf das Kommende zu vermitteln, in dem sich alles um die Sinne drehen würde. So hatten die jugendlichen Akteure ihrem Stück auch den Titel „Mit wie viel Sinnen bin ich?“ gegeben.

Die zwanzig Jugendlichen, die die Aufführung bestritten, sind alle Schüler*innen der Berufsschule Eidelstedt 24 in der Reichsbahnstraße und werden dort im Bereich „Ausbildungsvorbereitung jugendlicher MigrantInnen“ auf Abschlüsse und Ausbildung vorbereitet. Die Mitwirkenden stammen aus Afghanistan, Somalia, Syrien, dem Irak, dem Kosovo und Ägypten und kamen vor ca. einem Jahr überwiegend als unbegleitete, minderjährige Geflüchtete nach Hamburg.

In diesem Tanz- und Theaterprojekt, organisiert vom Stadteilkulturzentrum, hatten die Jugendlichen die Möglichkeit sich mit Mitteln des zeitgenössischen Tanzes und des Theaters mit einem Thema auseinander zu setzen. An zwölf Vormittagen arbeiteten sie mit der Tänzerin Trinidad Martinéz und dem Theaterpädagogen Hatto ter Haseborg an dem von ihnen gewählten Thema.

In ihrer Präsentation zeigten sie eine szenische Abfolge mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten: Ob sie sich alle um Jahre zurück in ihre Kindheit versetzten, auf klitzekleinen Kinderstühlen Platz nahmen, um den Zuschauer*innen kurze Kindheits-Episoden aus längst vergangenen Jahren aus ihrer Heimat nahe zu bringen, oder ob sie in kleinen Soli pantomimisch ihre Lieblingstätigkeiten auf die Bühne brachten. Oder ob sie in getanzten und bewegten Duos oder als ganze Gruppe Stimmungen vermittelten oder von ihren Träumen und Wünschen erzählten, allen Szenen war anzumerken, wie bereit sie waren, den ZuschauerInnen einen Teil von sich zu zeigen.

Für fast alle war es die erste Aufführung ihres Lebens. Sie bewiesen großen Mut und viel Spielfreude und nahmen die ihnen im Stadtteil gegebene Bühne mit Bravour und Spaß und wurden in ihrer Abschlussperformance, in der alle Akteur*innen gemeinsam ein Tanzstück zeigten, von einem begeisterten Publikum gefeiert. In einer sich anschließenden kleinen Premierenfeier gab es viel Lob und Anerkennung für die Jugendlichen und die zwei Dozent*innen des Projektes.

Ermöglicht wurde das Projekt durch die finanzielle Unterstützung des Bezirks Eimsbüttel, die Berufsschule Eidelstedt und das Stadtteilkulturzentrum Eidelstedt.

STADTKULTUR HAMBURG